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Heilpflanzen: Gelber Enzian

Gelber Enzian

Heilpflanze: Gelber Enzian (Gentiana lutea)

Ursprung des gelben Enzian

Bereits die Römer kannten den gelben Enzian als wirkungsvolle Heilpflanze. Sie nutzten ihn als natürliche Bitterdroge bei Magen-Darm-Beschwerden sowie rheumatischen Erkrankungen. Seine Bedeutung als hochwirksames Bitterkraut hat sich der Enzian über Jahrhunderte bewahrt. Im 19. Jahrhundert etwa pries der bayrische Naturheilkundler Sebastian Kneipp die Vorzüge der Bitterpflanze: Wer Wermut, Enzian und Salbei zur Hand habe, verfüge über eine komplette Apotheke. Für medizinische Zwecke wird ausschließlich der gelbe Enzian verwendet. Der wohl bekanntere blau blühende Enzian besitzt nämlich nur eine kleine Wurzel, die, im Gegensatz zu seinem gelbblühenden Verwandten, kaum Bitterstoffe enthält. In der Alpenregion wird er als Enzianschnaps oder Enzianlikör nach schwer bekömmlichen Speisen gereicht. Hier finden ausschließlich die Wurzeln des gelben Enzians Verwendung. Selbst im „Hohen Norden“ schätzte man den Enzian aufgrund seines sehr bitteren, intensiven Geschmacks. Die Enzianwurzeln dienten als wesentliche Zutat im „Theriak“, einem Kräuterlikör der dem heutigen „Schwedenbitter“ sehr nahe kommt.

Die Wirkung des gelben Enzian

Enzian gilt als reines Amarum (amara pura). Er verfügt über einen Bitterwert von 1:20.000. Das bedeutet: Wenn man einen Liter Amarum mit 20.000 Litern Wasser verdünnen würde, wären selbst in dieser starken Verdünnung seine intensiven Bitterstoffe noch deutlich wahrnehmbar. Mit diesem Bitterwert rangiert er auf dem ersten Platz unter den heimischen Bitterstoffdrogen. Der große Vorteil des Enzians: Seine Wurzel besitzt keinerlei Gerbstoffe. Sie ist nicht adstringierend (zusammenziehend). Damit kann die tonisierende (stärkende) Eigenschaft der Bitterstoffe isoliert wirken, ohne Magenreizungen zu verursachen.
Doch was bewirken die Bitterstoffe? Sie regen die Geschmacksnerven auf der Zunge an. Die Folge: Es wird vermehrt Speichel und Magensäure gebildet. Des Weiteren verursacht der durch die Bitterstoffe gesetzte Reiz, dass im Magen verstärkt Gastrin, ein Hormon das der Verdauung dient, ausgeschüttet wird. Dadurch wird zusätzlich die Bildung von Gallen- und Magensaft angekurbelt.
Der gelbe Enzian wirkt:

  • tonisierend (kräftigend),
  • appetit- und verdauungsanregend,
  • ausgleichend auf das Immunsystem,
  • fiebersenkend,
  • antirheumatisch,
  • entzündungshemmend,
  • durchblutungsfördernd auf die Schleimhäute.

Anwendungsgebiete des gelben Enzian

Entsprechend ihres großen Wirkspektrums verfügt die Enzianwurzel über ein weitgestreutes Anwendungsgebiet. Zu ihren Indikationen zählen:

Wirkstoffe des gelben Enzian

Die Hauptwirkstoffe des Enzians bilden Secoiridoid-Bitterstoffe. Ihr Anteil liegt zwischen zwei und drei Prozent. Zu diesen Bitterstoffen zählt auch Amarogentin, das in besonderem Maße für den bitteren Geschmack des Enzians verantwortlich ist. Weitere Inhaltstoffe des gelben Enzians sind

  • Xanthone, gelbe Farbstoffe die in der Wurzel zu finden sind,
  • Schleim,
  • Pektin (Ballaststoffe) und
  • Zucker.

Warum verwendet man gelben Enzian bei Erkältung mit Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündungen (Rhinosinusitis)?

Die Bitterstoffe des Enzian wirken sowohl kräftigend (tonisierend) und ausgleichend auf das Immunsystem als auch fiebersenkend. Deshalb wird der gelbe Enzian (Gentiana lutea) bei Erkältungskrankheiten wie Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis) mit Schnupfen eingesetzt.

Welche Pflanzenteile werden verwendet?

Für arzneiliche Anwendungen wird der bis zu einem Meter lange Wurzelstock des Enzians (Gentianae radix) verwendet. Dafür wird die Enzialwurzel getrocknet und anschließend zerkleinert.

Wo findet man den gelben Enzian?

Die kalkliebende Gebirgspflanze ist in den voralpinen und alpinen Regionen der Mittelgebirge Zentral- und Südeuropas sowie Kleinasiens beheimatet. Sie ist auf Bergwiesen in Höhenlagen von 750 bis 2.500 m und in Flachmooren zu finden. Zur medizinischen Anwendung oder für die Verwendung als Enzianschnaps werden die Enzianwurzeln im Herbst ausgegraben, zerkleinert und getrocknet. Durch ihre Vielseitigkeit wurde der gelbe Enzian gerne und viel gesammelt. Leider wurde dadurch die Staude in ihrem Bestand stark reduziert. Um ihre vollständige Ausrottung zu verhindern, seht sie deshalb in Deutschland unter Naturschutz. Heute wird sie in vielen Ländern Europas kultiviert.

Woher hat der Enzian (Gentiana lutea) seinen Namen?

Der Gattungsname Gentiana entstammt dem Griechischen und geht auf den illyrischen König Genthios (180–168 v. Chr.) zurück. Er soll als Erster die Heilwirkung der Gentiana lutea erkannt haben. Die Bezeichnung „lutea“ deutet auf die gelbe Farbe der Enzianblüte hin.
Zu den volkstümlichen Namen des gelben Enzians zählen:
Edler Enzian, Gemeiner Enzian, Gelbsuchtwurzen, Butterwurz, Darmwurzen, Bitterwurz, Halunkenwurz, Jänzene, Sauwurz und Zinzalwurz.

Woran erkennt man den gelben Enzian?

Der langlebige gelbe Enzian gehört zur großen Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Die krautige, sommergrüne Staude kann, im Gegensatz zum kleinwüchsigen blauen Enzian, eine stattliche Größe erreichen. Eine Höhe von bis zu 1,50 Metern ist keine Seltenheit. Der Enzian bildet eine mehrköpfige, dicke Pfahlwurzel. Aus ihr entwickelt sich in den ersten Wuchsjahren eine grundständige Blattrosette. Die erste Blüte erfolgt erst im Alter von etwa zehn Jahren. Dann bildet der gelbe Enzian einen hohlen Stängel aus, an dem die breit-lanzettlichen Blätter gegenständig angeordnet sind. Von Juni bis August erscheinen in den oberen Blattachseln goldgelbe Blüten mit blassgelber Krone. Sind sie verblüht, bilden sich bis zu sechs Zentimeter lange Kapselfrüchte, die durch den Wind verbreitet werden.

In welchem pflanzlichen Arzneimittel ist der gelbe Enzian zu finden?

Das pflanzliche Arzneimittel Sinupret® extract kombiniert die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe der Wurzel des gelben Enzians mit den Wirkstoffen aus AmpferHolunderEisenkraut und Schlüsselblume. In Sinupret® extract ergänzen sie sich 4-fach konzentriert* zu einem wirksamen Phytotherapeutikum zur Behandlung von akuten Entzündungen der Nasennebenhöhlen mit Schnupfen und Druckkopfschmerz.

*Eine 4-fache Konzentration ist nicht gleichzusetzen mit der 4-fachen Wirksamkeit. Die 4-fache Konzentration bezieht sich auf Ø 720 mg eingesetzte Pflanzenmischung in Sinupret extract (entspricht 160 mg Trockenextrakt) im Vergleich zu 156 mg Pflanzenmischung in Sinupret forte, bzw. auf die die Wirkeigenschaften mitbestimmenden Bioflavonoide.