FAQs für Journalisten

Wann genau ist bei Bionorica die Entscheidung gefallen, das Cannabisgeschäft zu verkaufen bzw. einen Forschungspartner ins Boot zu holen?

Seit langem wissen wir, dass ein sehr umfangreiches und kostenintensives Forschungsprogramm zur Erschließung der verschiedenen Therapieoptionen im Bereich medizinisches Cannabis notwendig ist. Zudem drängen viele neue und finanzkräftige Wettbewerber in den Markt. Für uns als Mittelständer ist das eine große Herausforderung. Daher haben wir nach Kooperationen und Partnerschaften gesucht, um das bisher Erreichte ausbauen zu können, vor allem im Bereich der Forschung. Das kanadische Unternehmen Canopy Growth, das sich auch auf evidenzbasierte Therapien fokussiert, ist unserer Ansicht nach hierfür hervorragend geeignet. Deshalb haben wir uns für einen Verkauf unseres Cannabisgeschäfts im Zusammenhang mit einer langfristigen Forschungskooperation mit Canopy Growth entschieden.

Warum wurde auf der Bilanzpressekonferenz der Bionorica SE im März 2019 nichts zum bevorstehenden Verkauf des Cannabisgeschäfts gesagt?

Damals befanden wir uns noch in Verhandlungen. Bionorica hätte rein rechtlich nichts sagen dürfen, Stichwort kursrelevante Tatsache.

Reicht die Finanzkraft der Bionorica SE nicht aus, um sich im Markt für medizinisches Cannabis selbst die entsprechenden Potenziale zu erarbeiten, zumal Bionorica eine hohe Eigenkapitalquote von über 74 Prozent hat?

Für die Ansprüche an das Forschungsprogramm und den zunehmenden Wettbewerb sind wir nicht groß genug. Zudem müssen wir uns auf unser Kerngeschäft fokussieren.

Hätte Bionorica, alternativ zum Verkauf, seine Cannabissparte selbst an die Börse bringen können?

Die jetzige Perspektive mit Canopy Growth erscheint uns vielversprechender.

Warum hat sich Bionorica für einen Verkauf seines Cannabisgeschäfts an Canopy Growth entschieden?

Ausschlaggebend war das grundlegende gemeinsame Verständnis einer evidenzbasierten Cannabismedizin und deren intensiven Weiterentwicklung auf höchstem pharmazeutischen Standard. Für Prof. Dr. Michael A. Popp, Inhaber und Vorstandsvorsitzender der Bionorica SE, ist die Forschungspartnerschaft mit Canopy Growth die Gelegenheit, seine Vision weiter zu verfolgen. Ziel ist es, vielfältige neue Therapieangebote für schwerstkranke Patienten auf Basis eines breiten klinischen Forschungsprogramms zu entwickeln. In diesem Zusammenhang werden wir auch die bisher geplanten Dronabinol-Studien realisieren.

Canopy Growth ist hauptsächlich ein Anbieter von Cannabisblüten. Ist ein Verkauf an ein solches Unternehmen für Bionorica als Anbieter von Reinwirkstoffen wie Dronabinol nicht ein unternehmerischer Widerspruch?

Im Portfolio von Canopy Growth kommen ergänzend nun Dronabinol und CBD hinzu. Unsere langfristig ausgelegte Forschungspartnerschaft fokussiert sich auf diese beiden Cannabinoide.

Hätte Bionorica anstelle des Verkaufs die steigenden Umsätze aus dem Dronabinol-Geschäft verwenden können, um das Kerngeschäft mit pflanzlichen Arzneimitteln bei anstehenden Investitionen nicht zu vernachlässigen?

Das war keine Option, da der Investitionsbedarf im Cannabis-Sektor enorm ist.

Wie hoch ist der Erlös für den Verkauf des Bionorica-Cannabisgeschäfts?

Der Verkaufspreis beträgt 225,9 Mio. Euro. Doch die Verkaufssumme war nicht von entscheidender Bedeutung. Canopy ist aus vielen Gründen künftig die bessere Heimat für das Cannabisgeschäft und die in diesem Segment tätigen Mitarbeiter von C3 und Bionorica.

Was macht Bionorica mit diesem Mittelzufluss?

Bionorica wird den Mittelzufluss in neue Märkte, in sein Kerngeschäft und in die Forschung investieren.

Wird die auf der Bionorica-Bilanzpressekonferenz im März 2019 vorgestellte Dronabinol-Studie jetzt ad acta gelegt?

Nein, die im November 2018 gestartete klinische Studie zur Untersuchung der Wirkung von Dronabinol zur Behandlung der Spastik bei Patienten mit Multipler Sklerose ist ein wichtiger Bestandteil der Forschungskooperation von Bionorica mit Canopy Growth.

In 2018 hat Dronabinol viele Millionen Euro Umsatz für Bionorica generiert. Hält Bionorica trotzdem an der Wachstumsprognose für 2019 fest, auch ohne Dronabinol?

Die Wachstumsprognose für das Bionorica-Kerngeschäft bleibt weiterhin bestehen.

Was passiert mit den Cannabinoid-Produktionsstätten von Bionorica und den laufenden Verträgen?

Diese gehen an Canopy Growth über.

Wie viele Mitarbeiter betrifft der Verkauf Ihres Cannabisgeschäfts?

Wir haben rund 100 Mitarbeiter bei der Bionorica ethics GmbH, der THC Pharm GmbH und der C3 Ethics Austria GmbH, die zu Canopy Growth wechseln.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze der Bionorica-Mitarbeiter, die jetzt zu Canopy Growth wechseln?

Alle Arbeitsverträge werden übernommen und die Standorte in Neumarkt i.d.OPf., Frankfurt a.M. und Wien bleiben bestehen. Canopy Growth hat eine sehr gute Wachstumsperspektive und wichtige Märkte für medizinisches Cannabis, wie Deutschland und Österreich, legen weiter zu.

Wie lang wird die Kooperation von Bionorica mit Canopy Growth laufen?

Die Forschungskooperation ist im Rahmen der Studien naturgemäß auf mehrere Jahre ausgelegt.

In welchen Ländern Osteuropas wird Bionorica im Vertrieb für Canopy Growth tätig?

Das wird im Einzelfall geprüft, Bionorica ist in vielen CIS-Staaten sehr gut aufgestellt.

Welche Umsätze erwartet Bionorica aus diesem Geschäft?

Unsere Berechnungen hierzu sind noch zu vorläufig, um sie zu kommunizieren.

Stand: 2. Mai 2019