Atempause in der Wachstumsphase

  • Naturarzneihersteller spürt Folgen der Coronavirus-Pandemie im Absatz von Atemwegstherapeutika
  • Umsatz 2020 mit 287,7 Millionen Euro unter Vorjahr (-13,4%)
  • Internationale Märkte und Präparate in den Bereichen Urologie und Gynäkologie mit stabilisierendem Effekt
  • Nachhaltigkeit: Klimaneutralität bei direkten Emissionen

Neumarkt i.d.OPf., 05.03.2021 Die in über 40 Ländern aktive Bionorica SE legte im Geschäftsjahr 2020 eine Pause in ihrer seit vielen Jahren andauernden Wachstumsphase ein. Der Naturarzneihersteller aus der Oberpfalz war aufgrund der COVID-19-Pandemie mit außerordentlichen Herausforderungen in vielen Pharma-Märkten konfrontiert. Staatlich verordnetes Social Distancing, Abstands- und Hygienemaßnahmen, das Tragen von Masken, Homeoffice-Regelungen und Lockdowns führten zu einem nahezu kompletten Ausbleiben der üblichen Wellen von Atemwegserkrankungen.

Dies speziell in Deutschland, wo der Großteil des Bionorica-Umsatzes durch Atemwegsprärate wie Sinupret und Bronchipret zustande kommt. Bis zu 75% weniger Patienten in der Indikation Sinusitis1 und einer ähnlichen Entwicklung im Bereich Bronchitis ließen die Nachfrage nach Sinupret und Bronchipret, aber auch nach Wettbewerbsprodukten, einbrechen. Hinzu kamen teilweise stark gesunkene Arztbesuche und eine reduzierte Beratungstätigkeit in Apotheken, was zu weniger Verordnungen und Empfehlungen in den entsprechenden Indikationen führte. Infolge all dieser Entwicklungen lag der Absatz von Bionorica in Deutschland 5 Millionen Packungen unter Vorjahr (2019: 19 Millionen Packungen).2 Gleichwohl wurde das Unternehmen 2020 erneut zum „Apotheken-Favorit“ in den Kategorien „OTC-Hersteller“ und „Pflanzliche Arzneimittelhersteller“ gewählt.3 Der Apotheke vor Ort kommt eine besondere Bedeutung in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und bei der Empfehlung unserer Präparate zu. Deshalb freut uns dieser Vertrauensbeweis besonders.“, so Prof. Dr. Michael A. Popp, Pharmazeut und Vorstandsvorsitzender der Bionorica SE.

 

Gesamtportfolio führte zu stabilisierenden Effekten
Ungeachtet der internationalen Auswirkungen der Pandemie entwickelte sich das Produktportfolio der Bionorica in diversen Ländern besser als die betreffenden Märkte. Neben der positiven Entwicklung gynäkologischer Präparate stach insbesondere das generelle Marktwachstum des Harnwegsmedikaments Canephron hervor, auch in Deutschland. Den Grund dafür sieht der mit hohem Aufwand forschende Arzneimittelhersteller in den Ergebnissen seiner internationalen klinischen Studie.4 Mit ihr konnte Bionorica zeigen, dass das Präparat in der Therapie von akuten unkomplizierten Harnwegsinfektionen einem Antibiotikum nicht unterlegen ist. „Mit unseren pflanzlichen Arzneimitteln können wir so einen Beitrag zur Eindämmung der weltweit zunehmenden Antibiotika-Resistenzen leisten“, so Prof. Dr. Michael A. Popp.


Geschäftsentwicklung 2020
Mit ihrer hohen Eigenkapitalquote von 80,6% navigierte die Bionorica-Gruppe sicher durch das Coronavirus-Jahr 2020 und erzielte im letzten Geschäftsjahr trotz der Auswirkungen der Pandemie 287,7 Millionen Euro Umsatz, 13,4% weniger als im Vorjahr.5 Aufgrund einer stabilen Geschäftsentwicklung im internationalen Hauptmarkt Russland, der Ukraine sowie weiteren osteuropäischen Märkten konnte die Umsatzsituation in Deutschland und Österreich mit ihrem hohen Anteil von Atemwegspräparaten im Portfolio teilweise aufgefangen werden. Bereinigt um starke, negative Wechselkurseffekte des Rubel und des ukrainischen Hrywnja würde der Umsatz der Bionorica-Gruppe in 2020 bei 304,3 Millionen Euro liegen, 8,3% weniger als im Vorjahr. Trotz des insgesamt gesunkenen Umsatzes hielt der Vorstand die Stellen bei Bionorica stabil. Von den weltweit 1.823 Mitarbeitern (Vorjahr: 1.820, Stand 31.12.2019) waren Ende des letzten Jahres mehr als 1.000 in Deutschland am Standort Neumarkt beschäftigt. 2020 erfolgten erneut zukunftsgerichtete Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe.  

COVID-19-Forschung mit Bionorica-Präparaten gestartet
Um das Wirkstoffpotenzial von Arzneimitteln aus dem Bionorica-Atemwegsportfolio bei einer Coronavirus-Infektion zu untersuchen, wurden 2020 präklinische Studien (in-vitro) und eine klinische Studie durchgeführt. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse dieser Forschungsreihe liegen vor. Die Ergebnisse sind in medizinischen Publikationen eingereicht und werden bald geprüft oder sind zum Teil publiziert. Das Unternehmen hat weitere Forschungsbereiche im Fokus. Diese konzentrieren sich auch auf das Phytovalley® Innsbruck, wo Bionorica eigene Forschungsstätten betreibt und mit namhaften Instituten und Universitäten zusammenarbeitet. Im Januar 2020 eröffnete Bionorica gemeinsam mit dem Land Tirol das „Michael-Popp-Forschungsinstitut für pflanzliche Wirkstoffforschung“. Das Institut soll neue pflanzliche Therapieansätze für Entzündungen und Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes, und für Krebs liefern.

Digitalisierung schreitet voran
Auf Hochtouren läuft auch die digitale Transformation von Bionorica. Neben der Digitalisierung des Arzneipflanzenanbaus entwickelte das Unternehmen vor allem sein Phytothek-Konzept weiter, mit dem sich Apotheken als Kompetenzzentrum für Naturarzneimittel etablieren können. „Als Partner der Apotheken haben wir trotz der Herausforderungen im letzten Jahr unsere digitale Ansprache im Markt intensiviert. Das hat einen Mehrwert für die Patienten, aber auch für die Apotheke selbst.“, erklärt Head of Global Business Dr. Uwe Baumann die digitale Weiterentwicklung. Sie umfasst u.a. die erweiterte Online-Präsenz jeder Phytothek-Apotheke sowie die direkte Kundenansprache durch Videos oder Banner auf relevanten Social-Media-Kanälen. 

Weitere Potenziale im Visier: Neue Märkte und Nachhaltigkeit
In der Türkei ist in diesem Jahr die Markteinführung weiterer Präparate geplant und das positiv laufende Iran-Geschäft soll kontinuierlich ausgebaut werden. Auf Basis der Zulassungen weiterer Präparate ist 2021 der Marktstart in neuen Märkten wie Frankreich geplant. Zudem wurde 2020 in Ägypten eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, in Rumänien und in der Republik Moldau ist dies ebenfalls geplant.
Eine besondere Relevanz sieht die Bionorica auch beim Thema Klimaschutz. So ist das Unternehmen seit 2020 bei den eigenen Emissionen klimaneutral.6 Um Treibhausgase soweit wie möglich zu reduzieren, investiert Bionorica in energieeffiziente Technik. Seit Anfang 2021 wird für den gesamten Standort Neumarkt zudem Ökostrom aus 100% erneuerbaren Energien bezogen. Durch alle Maßnahmen sowie Investitionen in zertifizierte Aufforstungs- und Waldschutzprogramme, die unvermeidbare Emissionen kompensieren sollen, hatte Bionorica in 2020 14.011 Tonnen CO2 eingespart. Ein ähnlicher Wert soll in diesem Jahr erreicht werden, perspektivisch will das Unternehmen „klimapositiv“ werden.      

 

Quellen:

  1. IQVIA Pharmacy Sell-Out Weekly, Sales in Units
  2. SAP, Ex-Factory (ab Werk)-Abverkäufe in Packungen
  3. „Apotheken-Favoriten-Studie“ 2020 der IQVIA und des Deutschen Apotheken Portals (DAP), Befragung von 500 Apotheker*innen im Zeitraum von August bis September 2020
  4. Studie CanUTI-7 https://www.karger.com/Article/FullText/493368
  5. Vorläufiger Umsatz, SAP
  6. Bionorica ist seit 2020 klimaneutral bei den direkten CO2-Emissionen (Scope I und II)