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Neue Firmenzentrale spiegelt Philosophie des Unternehmens wider


Bionorica neues Verwaltungsgebäude 01 Selbst für erfahrene Architekten ist der Neubau der Firmenzentrale in Neumarkt eine große Herausforderung: Sie soll das Selbstverständnis des Unternehmens präsentieren - Natürlichkeit und Nachhaltigkeit.

Wolfgang Brummer ist kein Mann für Luftschlösser. In seinem Büro liegt zwischen den Aktenordnern ein weißer Bauhelm im Regal. Der 51 Jahre alte Architekt aus Amberg fühlt sich wohl auf dem Bau. Brummer sagt: "Wenn ich mich auf etwas einlasse, dann ist es auch zu realisieren."
 
Ein Baumeister mit Bodenhaftung, ein Mann wie Wolfgang Brummer, genau der richtige für ein ambitioniertes Bauprojekt, wie es in Deutschland seinesgleichen sucht: Brummer entwirft die neue Bionorica-Firmenzentrale.
 
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Also, nüchtern betrachtet, Konferenzräume, Büros und Empfangsbereiche, nichts, was auf den ersten Blick nach einer wirklichen Herausforderung für einen erfahrenen Architekten klingt. Doch Bionorica-Chef Professor Michael Popp möchte für sein Unternehmen mehr als nur einige Kubikmeter umbauten Raums. Popp hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, das Gebäude wie einen Mosaikstein in die Philosophie des Unternehmens einzupassen. Das heißt: Es geht um Natürlichkeit und um Nachhaltigkeit. Popp: "Wir wollen die Natur nicht ausbeuten, sondern ihre Ressourcen verantwortungsvoll nutzen. Dafür steht Bionorica, und dieser Gedanke soll sich auch in diesem Haus wiederfinden."

Logischerweise steht die Energiefrage im Mittelpunkt des Konzepts, aber wenn es nur um eine saubere Energiebilanz ginge, wäre der Neubau im oberpfälzischen Neumarkt alles andere als einzigartig. Unter modernen Architekten gehört es fast schon zum guten Ton, ausgeklügelte Energiekonzepte zu realisieren.

Professor Popp hat die Latte allerdings noch etwas höher gelegt. Das Haus soll eine ausgeglichene Energiebilanz aufweisen - über das Jahr gerechnet, soll also mindestens so viel Energie produziert wie konsumiert werden. Das lässt sich nur mit Sonnenenergie erreichen. Deshalb erhält der viergeschossige Bau mit dem quadratischen Grundriss ein riesiges Sonnensegel auf dem Dach, überdies soll eine große Fensterfläche in der Fassade mit Solarzellen bestückt werden.

neue Firmenzentrale

Ein Gebäude, das vollständig im Einklang mit der Natur steht - das ist das ambitionierte Konzept für die neue Firmenzentrale von Bionorica im oberpfälzischen Neumarkt. Der Amberger Architekt Wolfgang Brummer entwarf einen Öko-Würfel, der es in sich hat: Das leicht geneigte Flachdach ist ein riesiges Sonnensegel. In der Mitte befindet sich ein quadratisches Oberlicht, das im Empfangsbereich des Obergeschosses das Gefühl aufkommen lässt, unter freiem Himmel zu arbeiten. In dieses Dachfenster sind ebenfalls Fotovoltaikzellen integriert. Als zweiter Bestandteil des ausgeklügelten Energiekonzepts fungiert eine Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung. Das Ziel: Das Gebäude soll, über das Jahr gerechnet, genauso viel Energie produzieren wie verbrauchen. Die großen Fensterflächen in der Fassade sollen ebenfalls teilweise mit Solarzellen bestückt werden. Darüber hinaus sorgen sie dafür, dass viel Licht in das Gebäude dringt, und schaffen so eine angenehme, offene Arbeitsatmosphäre. Für die Außenwand des Gebäudes wird ein besonderer Beton verwendet, dessen Zusammensetzung, Herstellung und Gebrauch die Natur nicht belasten. Dass das Unternehmen Bionorica mit der Natur verbunden ist und die Prinzipien der Nachhaltigkeit achtet, dafür steht schließlich auch die Begrünung der Fassade, die sich im Innenbereich fortsetzen soll. Bionorica-Chef Professor Michael Popp: "Bionorica steht für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Natur. Dieser Gedanke soll sich in dem Haus wiederfinden."

Die neueste Generation der Fotovoltaikzellen lässt sich in das Fensterglas integrieren, so dass das Dach im Obergeschoss halb transparent erscheint. Brummer: "Im Empfangsbereich wird man sich wie unter freiem Himmel fühlen."

Ergänzt wird die Solartechnik durch eine Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung. Der Clou: Die Anlage soll mit Pflanzen-Resten aus der Bionorica-Produktion befeuert werden. Neuland für den Hausbau und somit auch ein Fall für die Wissenschaft. Derzeit entwickelt das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung in Garching ein Konzept, welche Stoffe sich wie am besten nutzen lassen.

Innovative Wege beschreitet Bionorica auch bei der Wahl der Baustoffe. Beton wird zwar genutzt - aber kein gewöhnlicher. Dem Beton werden Gesteinskörnungen zugesetzt, die künstlich oder natürlich sein können und mit denen sich die Dichte des Betons regulieren lässt.

Professor Michael Braungart, früher Greenpeace-Aktivist und heute Leiter des Umweltinstituts EPEA in Hamburg (siehe Kasten), wird dafür Sorge tragen, dass im Bionorica-Neubau nur solche Stoffe zum Einsatz kommen, deren Herstellung und Verwendung die Natur nicht belasten.

Wichtig ist den Planern überdies, dass sich das Unternehmen mit seinem besonderen Verständnis von der Nutzung der Pflanzen ("Phytoneering") auch in der Innenarchitektur des Gebäudes widerspiegelt. Zum Beispiel durch begrünte Wände und Pflanzen, die sich im Gebäude hochranken. Doch nicht jede Idee fand die Gnade von Brummer, dem Pragmatiker. So musste beispielsweise der Gedanke, den Rasen von den Dachterrassen weiter in die Büros wachsen zu lassen, verworfen werden. "Das wäre in der praktischen Umsetzung gescheitert, der Rasen wäre in kürzester Zeit eingegangen", erläutert Brummer.

Das soll jedoch nicht heißen, dass Bionorica auf begrünte Fußböden verzichtet. Eine Idee, die derzeit diskutiert wird, setzt auf Beamer, die die perfekte Illusion einer Grünfläche auf den Boden projizieren. Wer sich dann in einem solchen Raum aufhielte, hätte den Eindruck, er liefe auf einer Rasenfläche - ein High-Tech-Effekt, der die Arbeitsatmosphäre entspannen könnte. Was draus wird, ist noch offen.

Brummers Handschrift zeigt sich im offenen, transparenten und wandelbaren Charakter des Gebäudes - auch dies sicher eine gedankliche Entsprechung zur Unternehmensphilosophie von Bionorica. So lassen sich die sechs Konferenzräume im Erdgeschoss zu einer großen Veranstaltungsfläche zusammenlegen. Der Atriums-Charakter der Obergeschosse befördert eine Atmosphäre der Kommunikation. Es gibt keine höhlenartigen Flure, die Mitarbeiter können sich sehen und miteinander sprechen. "Das Bionorica-Haus ist ein ganz besonderes Vorhaben, ein solches Haus baut man nicht alle Tage", sagt der Architekt.

Damit hat er vielen seiner Kollegen etwas voraus. Denn die meisten Entwürfe, die Ökologie und Architektur auf mustergültige Weise verbinden wollen, gewinnen zwar Wettbewerbe, werden aber am Ende nie gebaut.

Bei Bionorica liegen die Dinge anders. Obwohl in weiten Teilen architektonisches Neuland beschritten wird, hoffen Brummer und seine Mitstreiter, dass das Gebäude noch in diesem Jahr fertig gestellt werden kann. Aber Brummer ist ja auch kein Mann für Luftschlösser.

 

Quelle: Bionorica Forschungsmagazin (1/2006)

Stand: 31-03-2009



 
 

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