Mehr zum Thema
Zum Download: "Der Spurensucher" (PDF, 270 kb)
mehr
Ingolf Zera
Pflanzliche Arzneimittel - klingt das nicht eher nach Tradition und antiquierten Hausmitteln als nach innovativer Forschung?
Professor Dr. Michael Popp
Aber nur, weil auf diesem Gebiet die Forschung, wie Bionorica sie betreibt, die große Ausnahme darstellt.
Ingolf Zera
Was machen Sie denn anders?
Professor Dr. Michael Popp
Im Grunde alles. Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Wir arbeiten mit modernster Technologie, um der Natur auf die Spur zu kommen. Zu verstehen, was die Natur uns bietet, und daraus hochwirksame pflanzliche Arzneimittel zu entwickeln - dafür steht Bionorica.
Ingolf Zera
Darum auch der Zusatz "The phytoneering company"?
Professor Dr. Michael Popp
Als "Phytoneering Company" eröffnen wir neue Chancen und Möglichkeiten in der Therapie. Konkret geht es um die Erschließung und Weiterentwicklung pflanzlicher Wirkstoffe zu Spezialextrakten - daher auch "phyto". Dazu nutzen wir innovative pharmazeutische Verfahren - eben "engineering". Gleichzeitig steht "phytoneering" auch für die Entwicklung und Herstellung moderner Arzneimittel in neuen Qualitäts- und Wirkdimensionen.
Ingolf Zera
Behaupten das nicht alle Firmen, die pflanzliche Arzneien herstellen?
Professor Dr. Michael Popp
Richtig. Aber wir können es belegen. Nehmen Sie allein unser Medikament Sinupret. Wir haben die volle Dokumentation für die Neuzulassung von Sinupret erarbeitet und erreicht, dass bis heute Sinupret die einzige neu zugelassene Fünfer-Kombination nach europäischem Arzneimittelrecht ist. Ich denke, das spricht für sich.
Ingolf Zera
Hat Ihnen das auch bei der Zulassung in China geholfen?
Professor Dr. Michael Popp
Die gesamte Dokumentation war in der Tat sehr hilfreich. Trotzdem mussten wir hohe Hürden nehmen. Wir stießen auf erhebliche Widerstände, als wir die Zulassung einreichen wollten. Es war harte Überzeugungsarbeit nötig. Außerdem mussten wir noch eine weitere klinische Studie durchführen - gemäß den Vorgaben der chinesischen Behörden ausschließlich mit Chinesen. Rückblickend kann ich aber sagen: Die Knochenarbeit hat sich gelohnt.
Ingolf Zera
Woher nehmen Sie den Willen dafür? Bionorica ist doch auch so ziemlich erfolgreich.
Professor Dr. Michael Popp
Sie haben insofern Recht, als Bionorica heute weltweit zu den führenden Anbietern im Phytopharmaka-Bereich gehört. Aber ich bin Überzeugungstäter. Und in meinem Glauben an die Natur und deren Möglichkeiten schrecke ich vor keiner Herausforderung zurück. Die Natur ist einfach genial. Davon bin ich fasziniert. Und bei Bionorica kommen eben zwei Dinge zusammen: der Glaube und das Wissen.
Ingolf Zera
Aber enormes Wissen haben chemisch-pharmazeutische Unternehmen doch auch. Warum halten Sie nichts von deren Vorgehensweise, systematisch Millionen Stoffe auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen?
Professor Dr. Michael Popp
Was passiert denn bei diesem High Throughput Screening, das Sie ansprechen? Immer schneller werden immer mehr Stoffe durch die Testsysteme geschleust. Das Ergebnis ist vielleicht eine Veränderung an einer Zelle. Gut und schön. Aber damit ist noch längst nicht gesagt, welches Arzneimittel daraus entwickelt werden kann. Da haben wir den besseren Ansatz.
Ingolf Zera
Und der wäre wo?
Professor Dr. Michael Popp
Natürlich beim Menschen. Deshalb beginnen wir etwa bei der Erfahrungsmedizin. Wenn etwas beim Menschen bereits wirkt, liegt es auf der Hand, dieses Wissen zu nutzen und mit modernsten wissenschaftlichen Methoden bis zur Anwendungsreife weiterzuentwickeln. In unserem Fall zu rationalen Phytopharmaka.
Ingolf Zera
Heißt das, Sie verknüpfen Erfahrungsmedizin mit High-Tech-Forschung?
Professor Dr. Michael Popp
So ist es. Dass Bionorica heute für erforschte rationale pflanzliche Arzneimittel steht, ist doch genau darauf zurückzuführen. Schließlich rede ich hier von echter Forschung. Von Innovation. Von High Tech. Von Molekularbiologie, Biotechnologie. Von Zellkulturen, von Computertomographie für Kleintiere. Wir arbeiten hier mit harten Parametern, mit Fakten. Uns geht es dabei um nachweisbare Wirkung. Ohne Placebo-Effekte. Ohne schwankende Qualität.
Ingolf Zera
Bei so viel Technik-Einsatz - nutzen Sie auch die Gentechnik?
Professor Dr. Michael Popp
Bionorica verwendet keinerlei gentechnisch veränderte Pflanzen. Die Natur hat uns mit ihrer unglaublichen Vielfalt überreichlich beschenkt. Untersuchen und nutzen wir erst einmal die vorhandenen Pflanzen, bevor wir daran denken, neue zu schaffen.
Ingolf Zera
Aber auch Sie wollen doch Ihre Produkte ständig optimieren?
Professor Dr. Michael Popp
Das ist schon richtig. Aber wenn wir unsere Extrakte optimieren wollen, setzen wir beim Anbau und bei der Verbesserung der Anbaubedingungen an, anstatt das Erbgut der Heilpflanzen zu verändern.
Ingolf Zera
Dies tut Bionorica bereits seit Jahrzehnten - aber der große Erfolg ist erst mit Ihnen gekommen. Woran liegt das?
Professor Dr. Michael Popp
Auch wenn es Bionorica bereits seit mehr als 70 Jahren gibt, dürfen Sie nicht vergessen, dass sich das Unternehmen dramatisch gewandelt hat. In der ersten Generation - der meines Großvaters - gab es keine industrielle Produktion im heutigen Sinne. Es gab die individuelle Anfertigung jeder einzelnen Verordnung, wie früher in der Rezeptur einer Apotheke. Mehr nicht. Mein Vater und meine Tante bauten Bionorica aus, aber primär lebte das Unternehmen von Sinupret. Es gab kaum Export in jener Zeit. Als ich dann einstieg, forcierte ich die Konzentration auf Bionorica als Pflanzenspezialist. Ich baute hier in Neumarkt das komplette Unternehmen auf, erreichte die Neuzulassung von Sinupret und läutete für Bionorica die Ära des Phytoneering ein. Dieses Zukunftskonzept ist zweifellos sehr erfolgreich.
Ingolf Zera
Gleichzeitig sind Sie auch auf Verbandsebene sehr aktiv. Mit einem ähnlichen Erfolg?
Professor Dr. Michael Popp
Das sollten andere beurteilen. Aber es gibt durchaus Dinge, deren Durchsetzung mich sehr zufrieden macht. So war es bislang in vielen europäischen Ländern nicht möglich, Phytopharmaka als Arzneimittel mit definierten Indikationen zuzulassen. Dort waren es Nahrungsergänzungsmittel. Ich hatte stets gefordert, dass wir eine europäische Kommission für pflanzliche Arzneimittel bekommen. Das ist nun geschafft. Und bis 2005 haben wir überall in Europa ein einheitliches Recht. Da haben wir etwas erreicht, was sich niemand erträumte.
Ingolf Zera
Wie geht es mit Bionorica weiter? Wo steht das Unternehmen in fünf Jahren?
Professor Dr. Michael Popp
Bei Bionorica habe ich gerade das Zukunftskonzept "phytoneering II" auf den Weg gebracht. Darin ist unter anderem verankert, auf Basis unserer Forschungsergebnisse weitere Märkte zu erschließen, das heißt, die weißen Flecken auf der Bionorica-Weltkarte farbig zu gestalten. Mein großes Ziel ist es, dass Bionorica-Arzneimittel in allen wichtigen Ländern auf dem Markt sind.
Ingolf Zera
... was ja selbst einem Unternehmen wie Bionorica nicht leicht fallen dürfte.
Professor Dr. Michael Popp
Völlig richtig. Das hat noch keiner versucht. Ein Beispiel: Im wichtigsten Markt, den USA, wurde seit 1961 kein pflanzliches Heilmittel von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA als Arzneimittel zugelassen.
Ingolf Zera
Und wie wollen Sie das ändern?
Professor Dr. Michael Popp
Ich habe bereits erste Gespräche mit der Abteilung für Botanicals bei der FDA geführt. Das Bionorica-Know-how beeindruckte.
Ingolf Zera
Was wäre der Erfolgsfall für das Unternehmen Bionorica?
Professor Dr. Michael Popp
Dass wir vom wissenschaftlichen Ansehen her weltweit die Phyto-Firma schlechthin wären.
Druckversion
zurück