sommer

Startseite  / Heilkraft anwenden  / Kind  / Halsschmerzen & Mandelentzündung

Wenn Kinder krank sind, helfen Zuneigung und die richtige Medizin


Wenn Kinder krank sind - Bionorica Die richtige Medizin zu verabreichen ist schwer: Mehr als die Hälfte aller Arzneimittel, die Kinder schlucken müssen, ist nicht für kleine Patienten zugelassen. Diesen Missstand, der überall in Europa herrscht, sollen nun neue EU-Regelungen beenden.

Max hat das Schlimmste hinter sich. Der Sechsjährige wird nach einer Operation am Herzen auf der Intensivstation beobachtet. Im Zimmer nebenan liegt Isabell (12). Ihr Kinderarzt hat sie in die Klinik überwiesen, weil ihre Nieren-Funktion gestört ist. Eine Etage tiefer wartet Fabian auf das Ergebnis der Untersuchung. Allen Anzeichen nach ist der sechs Monate alte Junge an Epilepsie erkrankt. Drei Kinder, drei Krankheiten - eine Erfahrung: Max, Isabell und Fabian werden mit Medikamenten therapiert, die nur für Erwachsene zugelassen sind.

 
Mehr als die Hälfte der Mittel, die Jugendliche und Kinder im Alter bis zu 16 Jahren einnehmen, sind laut Aussage der Europäischen Kommission, "ausschließlich für Erwachsene, aber nicht für jüngste Patienten entwickelt worden". In den Intensivstationen für Neugeborene sind sogar mehr als 90 Prozent dieser besonders empfindlichen kleinen Patienten betroffen. Zwar meldet der Verband Forschender Arzneimittelhersteller, dass in den vergangenen zwei Jahren 41 Arzneimittel und Darreichungsformen speziell für Kinder und Jugendliche in Deutschland zugelassen wurden, aber bei schweren Erkrankungen bleibt Klinikmedizinern wegen fehlender Daten nach wie vor nichts anderes übrig, als eine geeignete Dosis auf Basis ihrer eigenen Erfahrung vorzuschlagen.

 
Mehr zum Thema
Zum Download: "Wenn Kinder krank sind" (PDF, 344 kb)
mehr 
Auch niedergelassene Kinderärzte verordnen Medikamente "off-Label" also außerhalb der Zulassung. "In der Kinderheilkunde werden ungetestete Wirkstoffe aber nicht fahrlässig eingesetzt. Fehlende Studienergebnisse machen die Kinderärzte meist durch ihre fundierten Erfahrungen wett. Aber eine Dauerlösung können und dürfen solche Verordnungen nicht sein", sagt Hannsjörg W. Seyberth, Professor an der Philipps-Universität Marburg. Der Inhaber des einzigen Lehrstuhls für pädiatrische Pharmakologie in Deutschland und Vorsitzende der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter fordert seit Jahren Gesetze und Anreize, damit Pharmaunternehmen endlich mehr Medikamente speziell für Kinder entwickeln. Aber warum tun sich Unternehmen eigentlich bei der Entwicklung von Medikamenten für Kinder so schwer
Bei der Zulassung müssen verschiedene Altersgruppen erfasst werden. Das heißt, es müssen für die sechs verschiedenen Entwicklungsstufen von Frühgeborenen über den Säugling bis zum Kind und Jugendlichen verschiedene Studien durchgeführt werden. "Das kostet die Pharmafirmen sehr viel Zeit und Geld und steht meist in keinem Verhältnis zum späteren Umsatz", sagt Dr. Antonio Pizzulli.

Für den Kölner Kinderarzt ein weiterer wichtiger Aspekt: "Klinische Prüfungen an Kindern sind ein hochsensibles Thema. Die meisten Eltern wollen ihr Kind nicht zum Versuchskaninchen machen." Das sei eine verständliche Reaktion - wenn auch paradox: "Auf der anderen Seite verlangen sie nach kindgerechten Medikamenten."
Hilfe aus diesem Konflikt verspreche intensive Information - vor allem darüber, dass Patienten in klinischen Studien besser überwacht werden als bei normalen Therapien.

Auch für Dr. Gudrun Abel ist die Forderung von Eltern und Kinderärzten nach sicheren Arzneimitteln nachvollziehbar. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Medikamente, die an Männern und Frauen getestet wurden, können bei Jungen und Mädchen schwere, unvorhersehbare Nebenwirkungen und Spätschäden auslösen. Ihre Organe sind ja noch nicht ausgereift, und ihr Stoffwechsel funktioniert anders als bei einem erwachsenen Menschen", so die Bionorica-Forschungsleiterin. Das Unternehmen untersucht seit Jahren die Sicherheit und Wirksamkeit seiner Arzneimittel auch bei Kindern. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", betont Bionorica-Chef Prof. Michael Popp und nennt als Beispiel Sinupret gegen akute und chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen.

Studien belegen, dass seine natürlichen Inhaltsstoffe sicher und wirksam auch bei Kindern den Krankheitsverlauf beeinflussen. Den gleichen Nachweis erbrachten auch der pflanzliche Hustenlöser Bronchipret und Tonsipret gegen schmerzhafte Rachen- und Mandelentzündungen. In seiner Funktion als 2. Vorsitzender des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie hat sich Popp für die Einrichtung des neuen Ausschusses Innovation und Forschung stark gemacht. Die Projektgruppe "EU-Verordnung/Patente" innerhalb dieses neuen Ausschusses leitet Dr. Gudrun Abel. Wichtigstes Thema: die Umsetzung der EU-Richtlinie "Verordnung über Kinderarzneimittel". Denn was für Deutschland gilt, ist in der gesamten EU ein Thema. Dort leben rund 100 Millionen Säuglinge, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche. Die neue Richtlinie soll ihnen in Zukunft den Zugang zu qualitativ hochwertigen Kinderarzneimitteln gewährleisten. Derzeit liegt sie zwar erst als Entwurf vor, aber die Verantwortlichen setzen alles daran, dass sie 2006 in Kraft treten kann.

 

Stand: 14-08-2009



 
 

 Druckversion


 zurück